Vorwürfe gegen Hermann Gmeiner

(Stand 05.03.2026)

Weitere Opferschutzverfahren im Zusammenhang mit Hermann Gmeiner eröffnet

Im Zuge der Aufarbeitung von Missbrauchsvorwürfen bei SOS-Kinderdorf Österreich wurden im Oktober 2025 erstmals Vorwürfe gegen den Gründer der SOS-Kinderdörfer, Hermann Gmeiner, durch den österreichischen Länderverein öffentlich gemacht. Als deutscher Förderverein SOS-Kinderdörfer weltweit haben wir eine vollständige Aufklärung durch SOS-Kinderdorf Österreich gefordert.

Seitdem hat SOS-Kinderdorf Österreich zahlreiche Maßnahmen ergriffen sowie Betroffene und Hinweisgeber mehrfach aufgerufen, sich zu melden. Nun hat der Länderverein bekanntgegeben, dass weitere Hinweise zu Hermann Gmeiner eingegangen sind und fünf neue Opferschutzverfahren eröffnet wurden. Darüber hinaus gab es vier weitere Hinweise auf Fehlverhalten - darunter auch Meldungen Dritter sowie von Personen, die nicht bei SOS-Kinderdorf betreut wurden. Einer der mutmaßlichen Fälle wurde von uns, den SOS-Kinderdörfern weltweit, an den österreichischen Länderverein gemeldet. Es handelt sich nach unserem Kenntnisstand dabei um einen Fall von Belästigung, der sich in den 1960er-Jahren in Deutschland ereignet haben soll. Wie bereits auf unserer Homepage veröffentlicht, haben wir im November 2025 durch eine interne Untersuchung davon erfahren.

Wir verurteilen die Taten und jede Art von Gewalt und Missbrauch auf das Schärfste. Unser Mitgefühl gilt allen, die Leid erfahren haben. Dies ist durch nichts wiedergutzumachen. Bei allen Betroffenen und Hinweisgebern, die den Mut haben, sich zu öffnen, bedanken wir uns ausdrücklich. Wir sind froh, dass die Meldewege genutzt werden, geschehenes Unrecht ans Licht kommt und damit Aufklärung ermöglicht wird.

Die konsequente und transparente Aufarbeitung der Vergangenheit und die bedingungslose Stärkung des Kinderschutzes sind für uns als Organisation unerlässlich und absolute Priorität. Mit der neuen Besetzung des Vorstandes, darunter der Expertin für Kinder- und Jugendhilfe Prof. Dr. Sabina Schutter, haben wir die bestehende Expertise unserer Organisation im Bereich Kinderschutz ergänzt und bereichert. Wir bekräftigen damit auch unsere Entschlossenheit, uns weiterhin mit vollem Engagement für den Schutz von Kindern einzusetzen und entsprechende Maßnahmen noch gezielter und wirkungsvoller voranzubringen.

Als Föderation haben wir in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um den Kinderschutz zu stärken und die Aufklärung voranzutreiben. So wurde unter anderem ein umfangreicher Kinderschutz-Aktionsplan umgesetzt mit verbesserten Meldesystemen, Stärkung der Programmqualität, Kinderrechts-Schulungen und der Etablierung eines Ombudssystems. Diesen Weg werden wir unbeirrt weitergehen. Der Länderverein SOS-Kinderdorf Österreich hat außerdem angekündigt, eine historische Studie durchführen zu wollen, um Vorfälle durch Hermann Gmeiner, dessen Rolle innerhalb der SOS-Kinderdörfer sowie damalige Machtstrukturen aufzuarbeiten. Die Ergebnisse sollen veröffentlicht werden.

Alle Betroffenen, die in der Vergangenheit in Einrichtungen der SOS-Kinderdörfer Leid erfahren haben, sowie Hinweisgeber, rufen wir weiterhin ausdrücklich auf, unsere Meldekanäle zu nutzen. Sie erreichen das Kinderschutz-Team der SOS-Kinderdörfer weltweit unter: SOSKDW-Kinderschutz@sos-kd.org 

Auch der Länderverein SOS-Kinderdorf Österreich nimmt weiter Hinweise entgegen: www.sos-kinderdorf.at/service/meldestelle

Vorwürfe gegen Hermann Gmeiner / Suspendierung von SOS-Kinderdorf Österreich

(Stand: 12.12.2025)

Die am 23. Oktober 2025 veröffentlichten schwerwiegenden Missbrauchsvorwürfe gegen Hermann Gmeiner, den Gründer der weltweiten Föderation der SOS-Kinderdörfer, erschüttern uns zutiefst und wir verurteilen diese Taten auf das Schärfste. Unser tiefstes Mitgefühl gilt allen, die Leid erfahren haben. 

In diesem Zusammenhang hat der internationale Aufsichtsrat der Föderation der SOS-Kinderdörfer am 23. Oktober 2025 beschlossen, den Länderverein SOS-Kinderdorf Österreich vorläufig zu suspendieren. 

Nach Angaben von SOS-Kinderdorf Österreich wurden die Vorwürfe im Zuge von Opferschutzverfahren zwischen 2013 und 2023 bekannt. Dennoch wurden die Informationen erst jetzt öffentlich gemacht. Auch wir, die SOS-Kinderdörfer weltweit, haben erst am 23. Oktober 2025 von den Missbrauchsvorwürfen gegen Hermann Gmeiner erfahren. Im Licht weiterer Missbrauchsfälle an österreichischen Standorten, die in den letzten Wochen an die Öffentlichkeit gekommen und ebenfalls erst jetzt vom Länderverein kommuniziert wurden, bleiben viele Fragen offen. 

Als deutscher Förderverein SOS-Kinderdörfer weltweit unterstützen wir die Entscheidung des internationalen Aufsichtsrats uneingeschränkt und erwarten vollständige Aufklärung durch SOS-Kinderdorf Österreich. 

Zu den Vorwürfen gegen Hermann Gmeiner: 

Im Zuge der laufenden Aufarbeitung von Kinderschutzverletzungen bei SOS-Kinderdorf Österreich hat der Länderverein acht dokumentierte schwere Kinderschutzvorfälle in Verbindung mit dem Gründer von SOS-Kinderdorf bekannt gemacht. Sie beziehen sich auf Vorfälle in den 1950er- bis 1980er-Jahren und betreffen sowohl körperlichen als auch sexuellen Missbrauch. Die Fälle wurden im Rahmen des Opferschutzverfahrens von SOS-Kinderdorf Österreich anerkannt und entschädigt, jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht öffentlich kommuniziert. 

Unmittelbar nachdem der aktuelle Vorstand der SOS-Kinderdörfer weltweit im Oktober 2025 von den Vorfällen erfahren hat, hat er Untersuchungen in Auftrag gegeben, um herauszufinden, ob auch bei den SOS-Kinderdörfern weltweit in der Vergangenheit Informationen zu Fehlverhalten durch Hermann Gmeiner eingegangen sind. Am 25. November 2025 legte uns die beauftragte Anwaltskanzlei einen Zwischenbericht vor. Aus diesem geht hervor, dass im Jahr 2019 ein mutmaßlicher Missbrauchsfall schriftlich gemeldet worden war. Er soll sich vermutlich in den 60er-Jahren ereignet haben. 

Um unserer Verantwortung für Transparenz und Aufklärung gerecht zu werden, ist es uns wichtig, diese Information bereits jetzt bekannt zu geben, auch unsere Mitarbeiterschaft sowie die entsprechenden Gremien wurden frühzeitig informiert, auch, wenn wir aktuell noch nicht jede Frage beantworten können. Die Untersuchungen dauern an.

Unsere Haltung 

Der Schutz und das Wohlergehen der Kinder müssen immer und unter allen Umständen uneingeschränkt gewährleistet sein. Wahrheit darf niemals verschwiegen oder verdrängt werden. Dafür stehen wir ein. Wenn Rechenschaftspflicht, Verantwortung und Transparenz fehlen, sind die Folgen verheerend. Niemand – unabhängig von Position, Verdienst oder Geschichte – steht über dem Gesetz. Wo Vertrauen der Kinder und unserer Gemeinschaft missbraucht wird, müssen wir entschieden handeln. Nur durch Ehrlichkeit und den Mut zur Aufarbeitung können wir als Organisation wachsen und unserer Mission, Kinder weltweit zu schützen und zu begleiten, gerecht werden. 

Wir verpflichten uns zu einer umfassenden, schonungslosen und transparenten Aufarbeitung der Vergangenheit und unterstützen unabhängige Untersuchungen in vollem Umfang. Betroffene müssen zu jedem Zeitpunkt Gehör finden. Kinderschutz hat absolute Priorität. 

Die Suspendierung des Ländervereins SOS-Kinderdorf Österreich ist zugleich die erste große Bewährungsprobe für die im Juli 2025 eingeführte neue Leitungs- und Kontrollstruktur der Föderation der SOS-Kinderdörfer. 

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